menschen ansprechen street photography

Sorge bei deinem Model für eine gute Stimmung- vom ersten Blickkontakt an.

Eine der größten Reize und gleichzeitig größten Hürden für Menschen, die sich für Street Photography interessieren, ist
das Porträtieren von interessanten Menschen auf der Straße.

Doch leider leben wir in einer Gesellschaft, in der man nur noch selten mit fremden Menschen auf der Straße in Kontakt kommt  – und wenn man in Kontakt kommt, dann gibt es dafür meist zwei Gründe; man ist sehr attraktiv und wird angeflirtet oder aber jemand möchte einem etwas verkaufen oder eine Spende für eine Wohltätigkeitsaktion oder für sich selbst.

Ist es bei den in Deutschland vorherrschenden Gründen, jemanden anzusprechen, also verwunderlich, dass du bei deinem ersten Versuch, jemanden auf der Straße um ein Porträt zu bitten, scheiterst?

Lass dich nicht unterkriegen – mit der Zeit wirst du beim Ansprechen und Porträtieren von Pasanten immer erfolgreicher werden – den Weg dahin möchte ich dir mit diesen 7 Tipps erleichtern:

 

1. Hab noch eine Person dabei

Zu zweit fällt es leichter, Hürden zu überwinden.

Zu zweit fällt es leichter, Hürden zu überwinden.

Es gibt immer einen Grund, jetzt gerade diese eine Person nicht anzusprechen: Du  fühlst dich gerade nicht ind er Lage, Small Talk zu führen, du hast das Gefühl, die Person sieht gestresst aus…und und und. Deshalb mein Rat: Nimm noch eine zweite Person mit, die dir sagt, welche Person du ansprechen sollst. So fällt es dir leichter, Bedenken fahren zu lassen und hast durch die “Kontrollinstanz” im Hintergrund weniger die Chance, fadenscheinigen Ausreden die Oberhand gewinnen zu lassen.

Wenn die zweite Person auch fotografiert – umso besser – dann könnt gleich ihr beide lernen, eure Ängste vor dem Ansprechen von Fremden auf der Straße zu überwinden (falls du Lust hast, auf den Straßen von Berlin deine Angst vor dem Ansprechen Fremder mit mir gemeinsam zu überwinden, dann schreib mir einfach eine Nachricht).

 

2. Such dir für den Anfang die richtige Umgebung

Um deine Bedenken, Fremde auf der Strßae für Porträts anzusprechen, solltest du dir nicht gerade eine U-Bahn-Station morgens in der Rush Hour aussuchen. Hier musst du dich nicht wundern, wenn du viele Abfuhren bekommst. entscheide dich stattdessen für eine Umgebung, in der die Menschen gelassen sind und Zeit haben: Das kann ein Park sein, ein Flohmarkt an einem Wochenende oder eine Ausgehgegend in deiner Stadt, in der man unterwegs ist, um eine gute Zeit zu haben und sich mit Freunden zu treffen. Hier wirst du auf aufgeschlossene, offene Menschen treffen, die deiner Bitte, sie zu porträtieren, mit einer wesentlich größeren Wahrscheinlichkeit positiv begegnen werden.

Später dann, wenn du ausreichend Erfolgserlebnisse gesammelt hast, kannst du dich auch in die U-Bahn-Station zur Rush Hour wagen – im Leben wie auch in der Street Photography geht es immer darum, seine Grenzen immer wieder aufs Neue zu überwinden!

 

3.Wähle deine “Zielperson” richtig bzw. lass sie wählen

Vermeide es, Menschen anzusprechen, die psychisch krank, betrunken oder potentiell gewalttätig wirken. Ja, das gebietet schon die Vernunft und der Selbstschutz, aber es gibt Situationen, in denen man so euphorisch ist, dass man es doch in Erwägung zieht, weil man z.B. schon viele gute Street Portraits in kurzer Zeit geschossen hat. Ich habe hier leider viele schlechte Erfahrungen gemacht – von Beleidigungen bis hin zu Junkies, die mir nachliefen und Geld für das Foto ihres Hundes forderten

Doch die allermeisten Menschen reagieren positiv oder sagen zumindest höflich und nett, dass sie nicht fotografiert werden möchten, und es kommt hinzu: Du wirst nach und nach lernen, interessante+ problematische Models von interessanten + unproblematischen Models auf einen Blick zu unterscheiden.

 

4. Lächeln!

Der erste Eindruck ist entscheidend. Die meisten Menschen treffen in Sekundenbruchteilen die Entscheidung, ob sie jemanden sympathisch und vertrauenswürdig oder bedrohlich empfinden. Deshalb: Lächeln! Ich mache, bevor ich Menschen anspreche und merke, dass ich ein wenig angespannt bin, Mundyoga.

Was ist Mundyoga? Das sind Lockerungsübungen für deine Lippen und die Kiefermuskulatur. Dafür schneide ich für etwa 5 bis 10 Sekunden heftigste Grimassen (natürlich ohne dass mich jemand dabei sieht, es könnte auf den einen oder anderen ziemlich abgedreht wirken)  – schon unmittelbar danach merke ich, wie ich leichter und authentisch auf die Person meiner Wahl mit einem Lächeln zugehen kann.

 

5. Achte auf deine Körpersprache

Ich bin 2 Meter groß und erscheine deshalb vielen Menschen, trotz meines doch meist vorhandenen recht netten Lächelns also auf den ersten Blick etwas bedrohlich. Wenn es die Situation erfordert, mache ich es wie Brandon von Humans of New York: Ich gehe auf die Knie und spreche aus dieser Position die Menschen von unten nach oben an. Das ist zum einen respektvoll und nimmt die ganze potentielle Bedrohlichkeit, unmittelbar von einem 2 Meter großen Fremden auf der Straße aus seinen Gedanken gerissen zu werden….

Wenn die Person, die du ansprichst, nicht gerade sitzt oder sehr klein ist, dann ist es häufig nicht geboten, auf die Knie zu gehen.
Die vertrauenserweckendste Art, auf Menschen, die dich nicht kennen, zuzugehen, ist leicht von der Seite und nicht zu schnell. Lauf den Menschen auf der Straße nicht hinterher und sprich sie von hinten an – das kann bei deinen potentiellen Models ein Gefühl der Bedrohung erzeugen.

 

6. Der erste Satz

Es ist gar nicht so wichtig, wie der erste Satz lautet, mit dem du die Leute auf der Straße ansprichst, wenn du die ersten drei Punkte beachtest. Wen du nicht bedrohlich, sympathisch und gelassen auf die Menschen wirkst, dann werden sie dir die Zeit lassen, dein Anliegen vorzubringen.

Jemand, der gerade noch lief, ist stehengebleiben und hört dir offensichtlich zu? Perfekt! Nun könntest du sagen: “Hallo, ich bin Fotograf und mache gerade eine Porträtserie. Du bist mir aufgefallen, weil du so eine coole Frisur/Jacke/Hose anhast. Wäre es ok für dich, wenn ich ein paar Fotos von dir mache?”

So oder ähnlich könnte dein Eröffnungssatz lauten, den du individuell auf deine Persönlichkeit und die Situation anpassen kannst.

 

7. Ablehnung? Bleib cool – entwickle Spaß an “Körben”

Jemand hat dir freundlich, aber bestimmt klar gemacht, dass er nicht fotografiert werden möchte? Mach einfach weiter- lass deinen “Hat doch keinen Sinn heute, ich lass es lieber, klappt einfach nicht” – Gedanken keine Chance und versuch es innerhalb von maximal 3 Minuten erneut! Nach einem erfolgreichen Straßenshooting kannst du dir länger Zeit lassen aber nach einer Ablehnung ist es wichtig, dass du möglichst schnell weitermachst, gerade als Neuling auf diesem Gebiet – allzu schnell machen sich sonst Selbstzweifel breit. So ist es zumindest bei mir.

Eric Kim rät, dir innerhalb eines festgelegten Zeitraums 5 Ja´s und 5 Nein`s zu holen – du wirst sehen – mit zunehmender Erfahrung wird es immer schwerer, dir Abfuhren zu holen! Bleib dran – du wirst sehen: Die Selbstsicherheit beim Ansprechen von Fremden auf der Straße wird deine Selbstsicherheit auch in anderen Bereichen stärken – und falls du noch Fragen hast, dann schreib einfach einen Kommentar oder schrieb mir eine Email!

Ach ja: Der 2.Teil – wie man Fremde auf der Straße fotografiert, nachdem man sie erfolgreich angesprochen hat – folgt!

Immer gutes Licht!
Euer Oliver